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Hardware-in-the-Loop Testing

Hardware-in-the-Loop Testing

Hardware-in-the-Loop Testing, kurz HiL, ist eine etablierte Prüfmethodik in der Entwicklung eingebetteter Systeme, bei der ein reales Steuergerät (Electronic Control Unit, ECU) in einer vollständig simulierten Umgebung betrieben und validiert wird. Die Methode schließt die Lücke zwischen rein modellbasierter Simulation und dem Systemtest unter realen Fahrzeugbedingungen und ist insbesondere in der Automotive-Entwicklung ein integraler Bestandteil normenkonformer Verifikationsstrategien.

1. Einordnung: SiL, MiL und HiL im Vergleich

Innerhalb des V-Modells der Embedded-Entwicklung lassen sich drei Simulationsparadigmen unterscheiden. Model-in-the-Loop (MiL) operiert ausschließlich auf Modellebene: Regelungsalgorithmen werden im Simulationskontext verifiziert, ohne dass reale Hardware beteiligt ist. Software-in-the-Loop (SiL) führt den generierten oder portierten Zielcode auf einem Host-Rechner aus und ermöglicht funktionale Tests ohne Zielhardware. Hardware-in-the-Loop schließlich integriert die reale ECU in den Regelkreis: Die Steuergeräte-Software läuft auf der Zielhardware, während Umgebung, Strecke und Aktoren durch ein Echtzeitsystem simuliert werden. Diese Stufung erlaubt eine frühe Fehlerdetektion auf Modellebene bei gleichzeitig hoher Repräsentativität der HiL-Tests für das spätere Serienverhalten.

2. Architektur eines HiL-Prüfstands

Ein HiL-Prüfstand besteht im Kern aus drei funktionalen Elementen: dem Prüfling (Device Under Test, DUT), dem Echtzeit-Simulationsrechner und der Signal-Konditionierungseinheit. Der Echtzeit-Rechner führt das Streckenmodell mit deterministischen Zykluszeiten im Bereich von 0,1 bis 1 ms aus. Die Signal-Konditionierungseinheit bildet die physikalische Schnittstelle zur ECU: Sie konvertiert Simulationsgrößen in elektrische Signale (Spannungen, Ströme, PWM-Signale) und digitale Busnachrichten (CAN, LIN, FlexRay, Automotive Ethernet), die das Steuergerät als reale Umgebungssignale interpretiert.

Ein wesentliches Architekturmerkmal moderner HiL-Systeme ist die Fehlerinjektionskapazität: Über dedizierte Relais- und Kurzschlussmatrizen können gezielte Leitungsunterbrechungen, Kurzschlüsse und Signalverfälschungen appliziert werden, um das Fehlerreaktionsverhalten der ECU unter kontrollierten Bedingungen zu verifizieren. Diese Fähigkeit ist für die Nachweisführung gemäß ISO 26262 von besonderer Relevanz.

3. Der Simulationskreislauf

Der Wirkprinzip von HiL basiert auf einem geschlossenen Regelkreis zwischen ECU und Simulationsmodell. Die ECU liest Sensorsignale ein, berechnet Stellgrößen und gibt diese über ihre Ausgangskanäle aus in der Annahme, reale Aktoren anzusteuern. Der HiL-Rechner empfängt diese Stellgrößen, verarbeitet sie im Streckenmodell und speist die resultierenden Zustandsänderungen als neue Eingangssignale zurück in die ECU. Die Geschlossenheit dieses Kreislaufs und die Einhaltung zeitlicher Anforderungen, insbesondere die Einhaltung der I/O-Latenz innerhalb eines Simulationszyklus, sind entscheidend für die Modellvalidität und damit für die Aussagekraft der Testergebnisse.

4. HiL im Kontext von ISO 26262

ISO 26262 fordert in Teil 4 (Systementwicklung) und Teil 6 (Softwareentwicklung) den Nachweis, dass Sicherheitsanforderungen durch geeignete Testmaßnahmen verifiziert wurden. HiL-Tests sind dabei explizit als geeignetes Verifikationsmittel anerkannt und erlauben die Abdeckung von Testfällen, die auf dem Fahrzeugprüfstand oder im Straßenversuch aus Sicherheits-, Kosten- oder Reproduzierbarkeitsgründen nicht durchführbar wären, insbesondere bei ASIL-C- und ASIL-D-Funktionen. Die Rückverfolgbarkeit von HiL-Testfällen auf Sicherheitsanforderungen sowie die Dokumentation von Fehlerinjektionstests sind dabei normativ geforderte Bestandteile des Safety Case.

5. Typische Fallstricke in der Praxis

Die Aussagekraft eines HiL-Tests steht und fällt mit der Güte des verwendeten Streckenmodells. Modelle, die unter idealen Bedingungen kalibriert wurden, repräsentieren reale Betriebszustände, insbesondere bei Temperatur- und Alterungseffekten, häufig nur unzureichend. Darüber hinaus sind Signallatenzen im I/O-Pfad eine systemische Fehlerquelle: Übersteigt die Gesamtlatenz des HiL-Regelkreises die Abtastzeit der ECU, entstehen phasenversetzte Rückkopplungen, die das Systemverhalten verfälschen. Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Buslastreproduktion: Unvollständige oder vereinfachte CAN/Ethernet-Modelle können ECU-interne Timeout-Reaktionen oder Fehlerbehandlungsroutinen maskieren, die erst im Fahrzeugverbund sichtbar werden.

6. Kompetenz in HiL-gestützter Validierung

HiL Testing ist kein generisches Werkzeug, es ist eine Disziplin, die tiefgreifendes Verständnis von Echtzeitsystemen, Signalverarbeitung, Modellierungsmethodik und normativen Anforderungen voraussetzt. Unsere Entwickler verfügen über praktische Erfahrung im Aufbau und Betrieb von HiL-Umgebungen sowie in der Ableitung und Umsetzung normenkonformer Teststrategien. Wenn Sie für Ihr Projekt qualifizierte Unterstützung in diesem Bereich suchen, nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.

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